Wenn ich an Barrierefreiheit denk…

ED

Teilhabe ist kein Luxus

3. Dezember, internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen. Da denkt man an akustische Hilfen, visuelle Hilfen, abgeflachte Bordsteinkanten, Rampen, Blindenschrift, vielleicht auch an so etwas wie Teilhabe am öffentlichen Leben, Barrierefreiheit und Inklusion. Man denkt aber wahrscheinlich nicht an unzugängliche Facharztpraxen und Restaurants, Fahrstuhlservice, der erst am Montag kommt, Bushaltestellen ohne Zugang, Kopfsteinpflaster und Schneeaufen an den Straßenübergängen, Autos und Mülleimer auf Fuß- und Radwegen, mehrere Busse oder Züge abwarten müssen, Probleme mit dem Toilettengang unterwegs … Das sind einige der Dinge, die mir dazu einfallen, weil ich sie wieder und wieder erlebe in meinem Alltag, weil ich eben nun mal im Elektrorollstuhl unterwegs bin. Meine Freundin mit ihrem Rollator, mein blinder und gehbehinderter  Neffe haben wieder andere Herausforderungen im Alltag zu meistern, sie können z.B. nur kurze Strecken zu Fuß zurücklegen. 

Das Verrückte ist, viele dieser Barrieren sind komplett unnötig. Vieles wäre anders und besser, wenn Politiker und Planende sich direkt von Betroffenen beraten lassen würden. Und nur selten wäre es dann auch teurer. 

Geht's nur um eine Minderheit mit besonderen Bedürfnissen oder geht's darum, in unserer Gesellschaft auf ein aufmerksames Miteinander Wert zu legen das alle, die Kleinen und Großen, Alten und Jungen, und eben auch die mit Mühe sich Fortbewegenden mit einbezieht? Wer will denn wirklich in einer Gesellschaft alt werden, in der nur die Schnellsten und wirtschaftlich Leistungsstarken gewürdigt werden? Das ist doch eine Horrorvision und jede und jeder, der plötzlich mit dem Alter oder gesundheitlichen Einschränkungen konfrontiert wird, versteht die existenzielle Bedeutung von Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Das ist kein Luxus und dafür kämpfen wir als die Linke. Halt die Augen und Ohren offen und kämpfe mit uns und für uns alle!

ED