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26. Oktober 2013

Leserbrief des KV zum Vorfall Erich Priebke

Leserbrief zur Wochenblattausgabe vom 23.10.2013


Sehr geehrtes Wochenblatt,

wir sind schockiert über das, was wir in der Ausgabe vom 23.10.2013 lesen mussten. An diesem Tag wurde allen Ernstes eine Todesanzeige des Kriegsverbrechers und nationalsozialistischen Märtyrers Erich Priebke im Wochenblatt veröffentlicht. Darin liest man: „Tief in Trauer – NW Tostedt – NW Unterelbe“. Es ist doch wirklich unmöglich, dass das Wochenblatt von den Berichterstattungen und aktuell den Todesmeldungen des Erich Priebkes bislang keine Kenntnis hatte. In allen großen Tageszeitungen sowie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde darüber in letzter Zeit weitreichend berichtet. In Wahrheit handelt es sich bei diesem Mann nämlich um einen Kriegsverbrecher, Nationalsozialisten und Antisemit, welcher selbst maßgeblich an einem Massaker von 335 Zivilisten in Italien 1941 beteiligt war und dabei gemeinsam mit weiteren höheren SS-Offizieren die ersten 12 Opfer selbstständig erschoss. Bis zu seinem Tode verteidigte er seine Taten und behauptete dagegen in einem Interview ohne jegliche Reue „Drahtzieher der Inszenierung, die heute gegen mich stattfindet, sind die Wiesenthal-Zentren gewesen.“ (Süddeutsche Zeitung vom 3.Mai 2000) Wir sind der Ansicht, diese Aussage spricht für sich. Erich Priebke verstarb am 11. Oktober 2013 in Italien und wurde kurz darauf stillschweigend beigesetzt.

Weiterhin sind wir sehr darüber verwundert, dass selbst die eindeutigen Bezeichnungen „NW-Tostedt“ sowie „NW Unterelbe“ anscheinend nicht identifiziert werden konnten. Das Wochenblatt hat doch schon mehrmals über neofaschistische Strukturen in Tostedt berichtet, folglich sollte man erwarten können, dass diese eindeutige Provokation der Neonazis auch als solche erkannt wird. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass die Übergriffe sowie Bedrohungen gegenüber jungen Antifaschisten - zuletzt besonders in Buchholz in der Nordheide - immer weniger mediale Beachtung in der regionalen Presse finden.

Falls aus rechtlichen Gründen eine Ablehnung von Todesanzeigen untersagt ist, hätten wir zumindest einen Kommentar erwartet, der über den Hintergrund der Anzeige aufgeklärt hätte. Trotz dessen fordern wir eine öffentliche Entschuldigung und Erklärung des Wochenblattes zu den angesprochenen Vorkommnissen. Gegenüber den Opfern der nationalsozialistischen Herrschaft, sowie den Menschen, welche sich antifaschistisch engagieren und die Demokratie vor den Faschisten schützen, ist diese Todesanzeige - zumindest aktuell – eine Faust ins Gesicht. Die Linke. Harburg-Land verwehrt sich gegen jegliche Akzeptanz von faschistischen Organisationen in der Öffentlichkeit und hofft, dass dieser Vorfall – aus welchen Gründen auch immer – einzigartig bleibt.

 

Alexander Jüschke, Kreisvorstand Die Linke.Harburg-Land